Sonnenschein steht hierzulande traditionell für gutes Wetter und gute Laune. Doch diese Wahrnehmung wird zunehmend ambivalent und das hat medizinische Gründe. Auf der einen Seite ist Sonnenstrahlung gesund. Unser Körper benötigt den UV-Anteil des Sonnenlichts, um Vitamin D zu bilden. Das härtet unsere Knochen, stärkt unsere Abwehrkräfte und schützt vor Infektionen der Atemwege. Andererseits ist Sonnenstrahlung schädlich. Denn sie führt nicht nur zu Sonnenbrand und lässt die Haut schneller altern, sondern löst auch den weißen und den noch gefährlicheren schwarzen Hautkrebs (Melanom) aus.

Hautkrebs häufigste Berufskrankheit auf dem Bau
Seit 2015 ist weißer Hautkrebs bei Beschäftigten, die berufsbedingt viel Zeit im Freien verbringen, als Berufskrankheit anerkannt. In der Bauwirtschaft ist dieser Hautkrebs inzwischen zur häufigsten Berufskrankheit geworden. Arbeitsmediziner und Berufsgenossenschaften warnen seit Jahren vor dem ungeschützten Aufenthalt in der Sonne.
Technische Maßnahmen wie das Anbringen von Sonnensegeln oder anderen Schattenspendern und organisatorische Schritte wie das Verlegen von Freilandarbeiten in weniger strahlungsintensive Morgenstunden genügen oft nicht, um die Gefährdungen auf ein akzeptables Maß zu drücken. Daher empfehlen Präventionsexperten – neben dem Verwenden von Sonnencremes –, die Haut durch langärmelige Kleidung, lange Hosen und Kopfbedeckungen vor der gefährlichen UV-Strahlung zu schützen. Solche Ratschläge sind nicht gerade populär. Denn niemand mag bei Arbeiten in Sommerhitze unter Stoff auf der Haut mehr schwitzen als nötig. Allerdings haben textile Materialien mit sogenannten Klimamembranen hier deutliche Erleichterung gebracht. Diese atmungsaktiven Stoffe sind leicht, nehmen dennoch den Schweiß auf und leiten ihn ab. Sowohl für Sport und Freizeit wie im Beruf haben sich diese funktionalen Stoffe durchgesetzt.

UV-Schutzfaktor UPF analog zum LSF von Sonnenmilch
Inzwischen kommt bei neu entwickelten Stoffen eine weitere Funktion hinzu. Bade-Bekleidung, Outdoor-Textilien und Arbeitskleidung zum Tragen im Freien enthalten einen eingebauten UV-Schutz. Geprüft und zertifiziert werden diese Textilien nach dem UV Standard 801, dabei wird ein UPF-Wert (Ultraviolet Protection Factor) ermittelt. Analog zum Lichtschutzfaktor (LSF) bei Sonnencremes gibt dieser UV-Schutzfaktor UPF an, um wieviel länger man seine Zeit mit der so gekennzeichneten Kleidung in der Sonne verbringen kann, ohne dass die Haut geschädigt wird. Der UPF bezieht sich auf die Eigenschutzzeit, die je nach Hauttyp individuell unterschiedlich ist und zwischen etwa 5 und 30 Minuten betragen kann. Wer z. B. bei einer Eigenschutzzeit von 10 min ein T-Shirt oder Workwear-Hemd mit einem UPF von 30 trägt, kann somit theoretisch 300 (statt 10) Minuten pro Tag im Freien arbeiten, ohne Sonnenbrand und Hautschäden fürchten zu müssen.

Friedhelm Kring