Unfälle im Wasser kennen die meisten Menschen eher aus Filmen wie Titanic. Im Alltag spielen sie – abgesehen vom Aufenthalt am Meer oder Binnenseen – kaum eine Rolle.

Doch Fakt ist, dass in Deutschland jedes Jahr mehrere Hundert Menschen durch Ertrinken ums Leben kommen. Für Rettungskräfte sind Wasserunfälle eine besondere Herausforderung. Eine geeignete Schutzausrüstung schützt die Retter vor Verletzungen und erleichtert ihnen ihre Aufgaben.

Im Vergleich zu anderen Gefährdungen wie Gefahrstoffen oder Lärm wird die Gefahr des Ertrinkens im Arbeitsschutzrecht eher knapp behandelt und spezielle Vorgaben für die Ausrüstung zur Wasserrettung sind rar. Doch Betriebe mit Arbeitsplätzen am oder auf dem Wasser müssen dieses Risiko in ihren Gefährdungsbeurteilungen einbeziehen und präventive Maßnahmen vorsehen. Das betrifft z. B. die Schifffahrt inklusive Fährbetrieben Häfen und Werften, aber auch Bauarbeiten an Flüssen, Brücken oder Kanälen. Auch die Betreiber von Freizeiteinrichtungen wie öffentlichen Strand- oder Schwimmbädern sind gefordert. Dazu gehört u. a. das Schulen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Rettung und Erster Hilfe, insbesondere Herz-Lungen-Wiederbelebung und Benutzen eines Defibrillators.

Schutz für die Unfallopfer und Schutz für die Wasserretter

Ein Grund für die notwendige Neufassung der DGUV-Information ist die inzwischen geltende Norm DIN EN ISO 20471 für hochsichtbare Warnbekleidung, welche bereits 2013 die frühere EN 471 abgelöst hatte. Neu hinzugekommen in der aktuellen DGUV-Information 212-016 sind zudem eigene Kapitel zu „Warnkleidung in Verbindung mit Schnittschutz“ sowie „Schwerentflammbare Warnkleidung“. Andere Abschnitte wurden überarbeitet und mit neuen Beispielen ergänzt. Nützlich für betriebliche Arbeitsschützer ist auch die neu aufgenommene „Betriebsanweisung Straßenverkehr“.

Bei Ausrüstung im Zusammenhang mit Wasserunfällen ist zu unterscheiden zwischen dem Schutz des (potenziellen) Unfallopfers und dem Schutz der Retter. Zum einem gibt es Komponenten, die dem Schutz vor einem Ertrinken dienen wie Schwimmwesten oder der klassische Rettungsring.

Schutz vor Ertrinken in höchster Risikokategorie III

PSA zum Schutz vor Ertrinken i. e. S. wird laut DGUV Regel 112-021 in Rettungshilfen und Schwimmhilfen unterteilt. In dieser Regel werden auch die relevanten Normen genannt. Laut PSA-Verordnung gehört PSA zum Schutz vor Ertrinken in die höchste Kategorie III, denn die Folgen eines Wasserunfalls können schwerwiegend sein und es besteht Lebensgefahr. Dies bedeutet auch, dass das Benutzen der damit in Zusammenhang stehenden Schutzausrüstung unterwiesen und eingeübt werden muss.

Weitere Anforderungen nennt die PSA-Verordnung in Anlage II, Abschnitt 3.4.1: So soll PSA zur „Verhinderung des Ertrinkens“

  • der Aufprallenergie beim Aufschlag auf die Flüssigkeit standhalten.
  • auch einen erschöpfte oder bewusstlosen Nutzer, der in eine Flüssigkeit gestürzt sind, „so schnell wie möglich ohne gesundheitliche Gefährdung an die Oberfläche zurückbringen und ihn in einer Position halten können, die bis zur Bergung das Atmen ermöglicht.“

Solche PSA kann entweder aufblasbar sein oder ganz oder teilweise aus permanent schwimmfähigem Material bestehen. Ist sie aufblasbar, muss sie sich – ob durch eine automatisch oder manuell ausgelöste Gaszufuhr oder per Mund – „rasch und vollständig aufblasen lassen“.

Hilfsmittel bei der Wasserrettung

Neben Schutzausrüstung i. e. S. kommen in der Wasserrettung – je nach der konkreten Situation – verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz. Dazu gehören neben den bereits erwähnten Rettungsringen auch Rettungsleinen, Wurfbeutel, Rettungsstangen, Rettungsbretter, Rettungsbälle, Rettungsbojen, Notlichter und Signalpfeifen. Schwimm- und Rettungsbojen werden z. B. auch bei Wassersportveranstaltungen genutzt. Es gibt eine kleine und leichte Variante, die gepackt um die Hüfte getragen wird. Sie bläst sich nach Betätigung eines Auslösers mithilfe einer CO2-Patrone binnen Sekunden auf und kann einen Menschen, etwa bei Erschöpfung oder mit einem Krampf – durch ihre Auftrieb über Wasser halten.

Bewährt haben sich auch sogenannte Gurtretter. Sie bestehen aus einem Brust-Schulter-Gurt, der mit einer schwimmfähigen Leine mit Ösen sowie einem Auftriebskörper aus Schaumstoff verbunden ist. Ziel ist, dem Unfallopfer diesen Gurt zu reichen bzw. ihm den Gurt umzubinden. Dies verhindert, dass der Retter in Panik umklammert wird und kann es zudem erleichtern, eine erschöpfte oder bewusstlose Person sicher an Land zu ziehen. Der Bestand an sämtlichen Ausrüstungen und Hilfsmitteln zur Wasserrettung sollte regelmäßig auf Vollständigkeit, Einsatzfähigkeit und Beschädigungen kontrolliert werden.

 

 

Friedhelm Kring