Wenn der Sommer sich verabschiedet und die Tage kürzer werden, ist es für viele wieder an der Zeit, den Kleiderschrank umzuräumen.

Sommerkleider und kurze Hosen kommen nach hinten, Pullis und Schals nach vorn, Boots und dicke Jacken werden vom Speicher geholt. Auch bei Arbeits- und Schutzkleidung gilt es, hinzuschauen, welche Komponenten man auf herbstliche Witterungsverhältnisse umstellen sollte.

Schutz vor Kälte, Wind und Nässe

Im Vergleich zu anderen Gefährdungen wie Gefahrstoffen oder Lärm wird die Gefahr des Ertrinkens im Arbeitsschutzrecht eher knapp behandelt und spezielle Vorgaben für die Ausrüstung zur Wasserrettung sind rar. Doch Betriebe mit Arbeitsplätzen am oder auf dem Wasser müssen dieses Risiko in ihren Gefährdungsbeurteilungen einbeziehen und präventive Maßnahmen vorsehen. Das betrifft z. B. die Schifffahrt inklusive Fährbetrieben Häfen und Werften, aber auch Bauarbeiten an Flüssen, Brücken oder Kanälen. Auch die Betreiber von Freizeiteinrichtungen wie öffentlichen Strand- oder Schwimmbädern sind gefordert. Dazu gehört u. a. das Schulen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Rettung und Erster Hilfe, insbesondere Herz-Lungen-Wiederbelebung und Benutzen eines Defibrillators.

Schutz für die Unfallopfer und Schutz für die Wasserretter

Wenn Mitarbeiter in den kühleren Monaten im Freien arbeiten, benötigen sie geeignete Kleidung. Wetterangepasste Arbeits- und Schutzkleidung soll ihren Träger vor niedrigen Temperaturen, kaltem Wind und Niederschlägen schützen. Jacken, Westen, Overalls, Hosen und Latzhosen müssen Kälte, Wind und Nässe abhalten, ohne die Bewegungsfreiheit und die Luftzirkulation allzu sehr einzuschränken. Wichtig ist, dass der Schutz gegen Regen die körpereigenen Prozesse zur Temperaturregelung auch bei arbeitsbedingten Bewegungen und Aktivitäten nicht mehr als nötig beeinträchtigt. Möglich wird dies durch hochwertige Materialien, die wind- und wasserdicht sind, gleichzeitig aber auch atmungsaktiv.

Zu den weiteren Auswahlkriterien für herbst-taugliche Wetterschutzbekleidung gehören das Gewicht und der Tragekomfort durch ergonomische Schnitte. Je nach Branche und Einsatzgebiet sind nützliche Zusatzeigenschaften gefragt wie Reißverschlusstaschen oder eine winddichte Kapuze. Dazu kommen vermeintliche Kleinigkeiten, die das Tragegefühl entscheidend verbessern können, wie etwa Ärmelbündchen oder ein taillierter Schnitt. Auch die erhältlichen Farben können in einigen Branchen – etwa im Gartenbau oder im Bestattungswesen – beim Auswählen eine Rolle spielen. Je nach den Witterungsbedingungen und Arbeitssituationen können auch Handschuhe, Ohren- und Kopfschutz notwendig werden, maßgeblich ist stets die Gefährdungsbeurteilung.

Wasserfestes und rutschfestes Schuhwerk

Ob Sicherheits- oder Berufsschuh, Regen und Nässe sollten keine Chance haben, durch das Schuhwerk nach innen zu dringen. Nasse Füße kühlen schnell aus und dies begünstigt Erkältungen. Wo Füße und Beine trocken und warm bleiben, wird der Wärmehaushalt des Körpers unterstützt und das Wohlbefinden steigt. Ein Schuhwerk aus atmungsaktiven Materialien sorgt dafür, dass der vom Körper produzierte Schweiß austritt, ohne dass Nässe von außen den Fuß erreichen kann.

Mit Bodennässe, matschigen Untergründen, Laubfall und den ersten Nachtfrösten oder gefrierendem Nebel steigt die Gefahr für ein Ausrutschen und Stürzen. Rutschhemmende Sohlen sind bei hochwertigem Fußschutz selbstverständlich. Berufs-, Schutz- und Sicherheitsschuhe sind in verschiedenen Materialen und Profiliefen für unterschiedliche Einsatzgebiete erhältlich. Abgelaufene Sohlen mit unzureichenden Profilen sollten unverzüglich ersetzt werden.

Bessere Sichtbarkeit durch Warnkleidung

Vor allem im Herbst muss stets mit Regel und Nebel gerechnet werden. Warnkleidung nach DIN EN ISO 20471 bietet eine hohe Sichtbarkeit in jeder Arbeitssituation. Zu den Anforderungen an Warnkleidung und ihren Einsatz beim Arbeiten im Freien und auf Baustellen informiert die im Juli 2021 neu herausgegebene DGUV Information 212-016.

Auch für Wetterschutzkleidung gelten Normen

Die DIN EN 342 befasst sich mit den Anforderungen an Schutzkleidung zum Schutz gegen Kälte. Sie legt auch die Prüfverfahren für die Gebrauchseigenschaften von Kleidungssystemen (ein- oder zweiteilige Anzüge) zum Kälte-Schutz fest. Kleidung nach DIN EN 342 ist für den Einsatz in kalten Umgebungen ab etwa minus 5 Grad vorgesehen und mit dem Piktogramm Eiskristall gekennzeichnet. Im Entwurfsstadium befindet sich aktuell die DIN EN 14058/A1, die sich auf Schutzkleidung zum Schutz gegen kühle Umgebungen, d. h. oberhalb minus 5 Grad, bezieht.

Die zuletzt 2019 aktualisierte DIN EN 343 legt die Anforderungen an wasserdichte und atmungsaktive Schutzkleidung zum Schutz gegen Niederschlag und Nässe fest, ob Regen oder Schneefall, Nebel oder Bodenfeuchte. Gemäß der Norm wird die Bekleidung je nach Wasserundurchlässigkeit und Atmungsaktivität in die Klassen 1, 2 oder 3 eingeteilt. Eine höhere Klasse bedeutet einen besseren Schutz vor Feuchtigkeit und einen besseren Feuchtigkeitstransport nach außen.

Daneben bestehen weitere normative Standards, insbesondere für Prüfverfahren. So regelt z. B. die DIN EN ISO 15831 das Messen der Wärmeisolation einer Bekleidungskombination und die Anforderungen an eine Thermopuppe. Die DIN EN 14360 standardisiert das Prüfen der Dichtheit von Regenschutzkleidung mithilfe einer Prüfpuppe unter künstlichem Regen.

Während die genannten Normen eher für die Hersteller von Arbeits- und Schutzkleidung relevant sind, richtet sich die DIN CEN/TR 17330 an Arbeitgeber, betriebliche Arbeitsschützer und Berater zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Ziel dieser technischen Regel ist, Anleitungen für die Auswahl, Anwendung, Pflege und Erhaltung von Schutzkleidung gegen schlechtes Wetter, Wind und Kälte zu geben.

 

 

Friedhelm Kring