Kein Eishockeyspieler geht ohne ihn aufs Eis und kein Formel-1-Pilot steigt ohne ihn in seinen Wagen. Nicht nur im Sport schützen Helme vor Verletzungen. Auch an vielen Arbeitsplätzen ist ein Kopfschutz unverzichtbar.

Laut den jüngsten Statistiken der DGUV machen Kopfverletzungen knapp 8 Prozent aller Verletzungen aus. Im Jahr 2020 war es mehr als 52.000-mal der Fall, dass ein Beschäftigter so schwer am Kopf verletzt wurde, dass der Unfall meldepflichtig wurde. Dazu kommt: Bei den Arbeitsunfällen mit Todesfolge wird der Kopf am häufigsten als verletzte Körperregion genannt.

Oben ohne kann gefährlich sein

Laien gehen oft davon aus, dass die Funktion eines Schutzhelms darin besteht, dass er seinen Träger davor schützt, dass ihm etwas von oben auf den Kopf fällt. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit.

Denn ein richtig gewählter und richtig getragener Helm schützt nicht nur

  • vor fallenden oder geworfenen Gegenständen, sondern auch
  • vor dem Anstoßen an Gegenständen und technischen Einrichtungen, etwa Rohrleitungen oder hervorstehenden Teilen von Maschinen,
  • vor seitlichem Aufprall, etwa beim Arbeiten in Tanks, Kesseln und anderen engen Räumen oder bei einem Stolperunfall,
  • vor pendelnden Gegenständen wie z. B. Lasten an einem Hallenkran,
  • vor umfallenden Gegenständen, z. B. aufgrund falsch gestapelter Paletten,
  • oder unkontrolliert wegfliegender Gegenstände, etwa an Maschinen mit rotierenden Teilen.

In all diesen Situationen kann das Tragen eines Helms als Kopfschutz Gehirnprellungen, Nackenschäden, Schädelbrüchen und anderen Kopf- und Hirnverletzungen vorbeugen bzw. die Unfallfolgen deutlich mindern.

Ergibt eine Gefährdungsbeurteilung, dass Gefährdungen des Kopfes nicht durch technische oder organisatorische Maßnahme beseitigt werden können, ist Kopfschutz-PSA unverzichtbar. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber eine Tragepflicht für Helm oder Anstoßkappe anordnen muss und seinen Beschäftigten den jeweils für ihre Tätigkeit und ihren Arbeitsplatz geeigneten Kopfschutz zur Verfügung stellen muss.

Sicherheitstechnische Anforderungen an Kopfschutz sind streng genormt

Die Anforderungen an die Gestaltung, die Leistungsfähigkeit, die Prüfverfahren und die Kennzeichnung von professionellem Kopfschutz sind in Normen festgeschrieben

  • DIN EN 397 für Industrieschutzhelme
  • DIN EN 443 für Feuerwehrhelme
  • DIN EN 812 für Industrie-Anstoßkappen
  • DIN EN 12492 für Bergsteigerhelme
  • DIN EN 14052 für Hochleistungs-Industrieschutzhelme
  • DIN EN 50365 für elektrisch isolierende Helme

Die Normen geben z. B. die Anforderungen an das Dämpfungsvermögen des Helms und die Durchdringungsfestigkeit der Helmschale vor. Zudem werden weitere Schutzeigenschafen wie die Beständigkeit eines Helms gegen Flammen oder die Gewährleistung des sicheren Sitzes von den Normen erfasst. Anstoßkappen sind die leichtere Variante eines Kopfschutzes. Sie können vor dem Anstoßen an harte Gegenstände schützen, sind aber hinsichtlich ihrer Schutzwirkung gegen herabfallende Gegenstände nicht mit Helmen vergleichbar. Sie werden in einigen Branchen gern genutzt, etwa in der Instandhaltung, in Kfz-Werkstätten und Lagerhallen, können aber auf keinen Fall als Helmersatz dienen, wo eine Helm-Tragepflicht besteht.

Duroplast oder Thermoplast

Professionelle Helme sind aufgebaut aus der äußeren Helmschale und einer Innenausstattung. Bei den Helmschalen werden thermoplastische und duroplastische Materialien unterschieden. Helme aus Thermoplasten sind beständig gegen Kälte, aber anfällige bei hohen Temperaturen. Der typische Baustellenhelm oder Forsthelm besteht i. d. R. aus thermoplastischen Materialien. Helme aus Helme aus Duroplasten sind geeigneter bei Hitze und beständiger gegen Chemikalien, sie werden daher z. B. an Hitzearbeitsplätzen, etwa in Gießereien oder der Stahlindustrie getragen.

Mit rund 8 Jahren ist die maximale Gebrauchsdauer von Industrieschutzhelme aus duroplastischen Materialien etwa doppelt so lang wie die von Helmen aus Thermoplasten. Der UV-Anteil des Lichts und weitere Einflüsse lassen einen Helm altern. Das Alter eines Helms ist an der verpflichtenden Kennzeichnung abzulesen, die neben dem Herstellungsdatum auch das CE-Zeichen, Typ, Größe, Werkstoff und die relevante Norm nennen muss. Davon unabhängig sollten Helme nach Unfällen oder heftigen Einwirkungen durch einen Schlag oder Stoß ausgetauscht werden. Auch wenn für den Laien keine Beschädigungen erkennbar sind, kann die Schutzwirkung nicht mehr im gleichen Maße gegeben sein.

Helm-Zubehör für viele Einsatzbereiche

Typische Ausrüstungsmerkmale – fixiert oder als Zubehörteil – für Helme sind Kinnriemen, Nackenschutz, auswechselbare Schweißbänder, Sonnenschutzschilder, Visiere oder eine regelbare Seitenbelüftung. Die Modellvielfalt ist groß. So gibt es z. B. Helme aus langnachleuchtenden Materialien für den Einsatz bei schlechter Sicht oder Helme mit Haltern bzw. Adaptern für Stirnleuchten.

Zu beachten ist, dass bei Tragepflichten für weitere PSA-Komponenten wie Gehörschutz oder Augenschutz sich die einzelnen Schutzwirkungen nicht gegenseitig beeinträchtigen dürfen. Die Kompatibilität aller eingesetzten PSA-Komponenten ist stets zu prüfen. Die Helmhersteller bieten auch Kombinationslösungen an wie Kapselgehörschutz, der sich direkt am Helm befestigen lässt oder Schweißerhelme mit Visieren und sogar Schutzscheiben in der gewünschten Sehstärke.

Weitergehende Informationen zum Einsatz von Helmen bietet die DGUV Regel 112-193 „Benutzung von Kopfschutz“.

Friedhelm Kring