Auf etwa 7 von 10 Lkw, die auf deutschen Straßen unterwegs sind, ist die transportierte Fracht unzureichend gesichert. Dieser erschreckende Befund wird bei Kontrollen der Autobahnpolizei immer wieder bestätigt.

Mängel in der Ladungssicherung führen nicht nur zu Transportschäden und den bekannten Warnungen vor „Verlorener Ladung auf …“ in den Verkehrsmeldungen. Sie gefährden auch andere Verkehrsteilnehmer. Laut Schätzungen der deutschen Versicherungswirtschaft geht jeder fünfte Unfall im Schwerlastverkehr auf mangelhafte Ladungssicherung zurück.

Viele Rechtsbereiche betroffen
Verbindliche Regelungen zum Sichern der zu transportierenden Güter auf Fahrzeugen finden sich in unterschiedlichen Rechtsgebieten wie dem Straßenverkehrsrecht, dem Arbeitsschutzrecht, dem Frachtrecht, aber auch dem Strafrecht, hier die wichtigsten Vorgaben:

  • Laut § 22 STVO muss eine Ladung so verstaut und gesichert sein, dass sie „selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen“ kann. Gemäß § 23 darf eine Ladung die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigen.
  • § 412 HGB fordert vom Absender, das Gut „beförderungssicher zu laden, zu stauen und zu befestigen“ und vom Frachtführer, „für die betriebssichere Verladung zu sorgen“.
  • In § 315b StGB geht es um „Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr“. Auch eine verlorene Ladung, die nicht sofort weggeräumt wird, kann unter diesen Tatbestand fallen und zu strafrechtliche Konsequenzen haben.
  • 7 Abs. 1 StVG macht den Halter eines Fahrzeugs dafür haftbar, wenn durch sein Fahrzeug Menschen oder Sachen zu Schaden kommen.
  • § 22 der DGUV Vorschrift 70 befasst sich mit den Hilfsmitteln zur Ladungssicherung.
  • Technische Details zur „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen finden sich in der gleichnamigen VDI-Richtlinienreihe 2700f.
  • Zu den wichtigsten Normen zur Ladungssicherung gehören die DIN EN 12195 zur Berechnung von Sicherungskräfte, die DIN EN 12640 (Entwurf) zu Zurrpunkten und die DIN EN 12642 zu Aufbauten an Nutzfahrzeugen.

Diese Auflistung ist nicht vollständig. Je nach Transportsituation und Art der Ladung kommen weitere Anforderungen hinzu. Beim Transportieren gefährlicher Güter auf der Straße greifen die komplexen Bestimmungen des Gefahrgutrechts wie ADR und GGVSEB.

Verantwortlichkeiten breit gestreut
Die obigen Zitate deuten es bereits an, dass bei der Verantwortung für ordnungsgemäß gesicherte Transporte viele Akteure eine Rolle spielen. Der Fahrzeugführer muss die Ladungssicherung und Lastverteilung überprüfen, bevor er die Fahrt antritt. Er muss unterwegs sein Fahrverhalten und seine Geschwindigkeit an die Gesamtsituation von Fahrzeug und Last anpassen. Der Fahrzeughalter hat eine Aufsichtspflicht, z. B. hinsichtlich der Schulung und Einweisung seiner Fahrer oder der Kontrolle der Ladungssicherungshilfsmittel. Er darf die Inbetriebnahme eines Fahrzeugs nicht zulassen, wenn er weiß, dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung leidet.

Der Frachtführer, i. d. R. das beauftragte Fuhrunternehmen, ist dafür zuständig, das Fahrzeug mit den benötigten Aufbauten zu wählen und die üblichen Hilfsmittel zur Ladungssicherung zu stellen. Er ist für die betriebssichere Verladung zuständig (s. o.), z. B. das Einhalten der Gewichtsgrenzen von Fahrzeug und Anhänger oder der maximal zulässigen Lastmaße.

Der Absender ist dafür verantwortlich, dass das Ladegut beförderungssicher verstaut und befestigt ist (s. o.). Das heiß, er muss sicherstellen, dass die Ladung nicht umfallen, kippen, wegrutschen oder wegrollen kann. Wenn der Absender einer Ware bemerkt, dass der von einer Spedition geschickte Fahrer die gerade geladenen Güter nicht ordnungsgemäß gesichert hat, ist er in einer Mitverantwortung und in einer Mithaftung. Er muss einschreiten, zum Nachsichern auffordern oder ggf. sogar den Fahrer davon abhalten, mit unzureichend gesicherter Ladung vom Betriebsgelände zu fahren.

Grundregeln zur Ladungssicherung
Unabhängig davon, ob ein Transport über eine Spedition oder mit betriebseigenen Fahrzeugen durchgeführt wird, gilt stets:

  • Das Fahrzeug muss verkehrssicher und für die Transportaufgabe geeignet sein.
  • Geeignete Mittel und Möglichkeiten zur Ladungssicherung müssen vorhanden und in einwandfreiem Zustand sein.
  • Je nach Ladegut muss das Fahrzeug über Sicherheits- und Notfallausrüstung verfügen wie Warnzeichen, Warnwesten, Feuerlöscher, Handlampe, Klappspaten, Auffangbehälter usw.
  • Vor dem Beladen sollte die Ladefläche trocken und sauber sein, frei von Sand, Öl, Fetten usw.
  • Sicherungsmethoden wie Niederzurren und Diagonalzurren müssen korrekt angewendet werden. Dabei ist auch der Lastverteilungsplan zu beachten.
  • Alle Belastungsgrenzen wie zulässige Gesamtgewichte, Achslasten usw. müssen eingehalten werden.
  • Das ausgewählte Fahrpersonal muss geeignet und für seine Aufgaben qualifiziert sein gemäß Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (BKrFQG).

Die Befestigung und Sicherung der Ladung muss stets so gestaltet sein, dass sie allen Verkehrssituationen standhält. Die transportierten Güter, Waren und Ladeeinheiten dürfen auch in engen Kurven oder beim scharfen Bremsen weder verrutschen noch pendeln, umkippen, herunterfallen oder wegrollen.

Technische Hilfsmittel zur Ladungssicherung
Eine Plane hält nur den Regen ab, sie dient aber nicht dazu, eine Ladung zu sichern. Entscheidend dafür sind zum einen die

  • fahrzeugeigenen Aufbauten, Bordwände, Rungen, Sperrstangen, Lochschienen, Steckelemente usw. sowie zum anderen die
  • verwendeten Hilfsmittel wie Zurrgurte, Rundstahlketten, Zurrdrahtseile usw und Zubehör wie Ratschen, Kantenschoner usw.

Häufig unterschätzt wird, dass auch schwere Lasten verrutschen können, etwa bei plötzlichen Brems- oder Ausweichemanövern. Antirutschmatten erhöhen die Reibung zwischen Ladegut und Ladefläche. Füllmittel und Staumaterialien (Airbags, Schaumstoffe) beseitigen Lücken und Hohlräume zwischen Ladegütern und sorgen für den gewünschten Formschluss. Technische Hilfsmittel zur Ladungssicherung müssen mindestens einmal jährlich von einer dazu befähigten (sachkundigen) Person auf einwandfreien Zustand geprüft werden.

Ein falsche oder unzureichende Ladungssicherung stellt eine Verkehrsgefährdung dar und wird bei Kontrollen von Autobahnpolizei oder dem BAG (Bundesamt für Güterverkehr) geahndet. Das kann Bußgelder zur Folge haben. Ärgerlicher – und oft auch teurer – sind die Verzögerungen, wenn Transportgut umgeladen werden muss, zusätzliche Hilfsmittel zur Sicherung beschafft oder sogar ein neues Fahrzeug geordert werden muss.

 

Autor: Friedhelm Kring

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