Nutzer von Hochdruckreinigern unterschätzen oft die Gefahr schwerer Verletzungen durch den Wasserstrahl. Schon bei einem Betriebsdruck ab etwa 100 bar kann man sich oder andere verletzen,

aber etwa 200 bar ist professionelle Schutzkleidung beim Hochdruckwasserstrahlen dringend geboten. Mit der neuen DIN 19430 „Schutzkleidung – Kleidung zum Schutz gegen Hochdruckwasserstrahl – Anforderungen und Prüfverfahren“ ist es erstmals möglich, Schutzkleidung gegen Hochdruckwasserstrahl einheitlich zu prüfen und zu zertifizieren.

Wenn der Wasserstrahl messerscharf wird

Der Wasserstrahl eines professionellen Flüssigkeitsstrahlers kann schneidend wirken und regelrecht unter die Haut schießen. Jedes Jahr kommt es zu Hunderten von Arbeitsunfällen, bei denen nicht nur Gummistiefel aufgeschlitzt werden, sondern auch Haut, Gewebe oder Augen. Neben den mechanischen Verletzungen drohen Infektionsrisiken. Denn die beim Abstrahlen von Oberflächen freigesetzten winzigen Partikel aus Schmutz, Metallsplittern oder von den abgestrahlten Beschichtungen, Lacken usw. werden regelrecht in das ungeschützte menschliche Gewebe injiziert.

Vorgaben zum Einsatz von Hochdruckreinigern

Auch wenn jeder Laie solche Geräte an Autowaschanlagen ohne Einweisung benutzen darf, sollten für das Nutzen von Flüssigkeitsstrahlern – so werden Hochdruckreiniger im Arbeitsschutzrecht genannt – im Unternehmen feste Vorgaben gelten. Dies wird umso wichtiger, je höher die Leistungsstufe und damit die Verletzungsgefahr professioneller Hochleistungsreiniger ist. Als Grundregeln für ihren Einsatz gelten:

  • nur gemäß den Angaben in der Betriebsanleitung
  • nur durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die mind. 18 Jahre alt sind
  • nur nach einer Unterweisung zu den Gefahren, den Sicherheitsbestimmungen und dem Verhalten bei Unfällen und Störungen sowie Einweisung in die sichere Handhabung des jeweiligen Geräts
  • nur mit Zutrittsbeschränkungen für Unbeteiligte, ob Kollegen, Besucher, Passanten oder Kinder

Strikt tabu muss stets sein, den Wasserstrahl auf Personen zu richten. Ebenso unzulässig ist es, Hochdruckreiniger von einer Leiter aus einzusetzen, die Rückstoßkraft könnte sich hier fatal auswirken. Weitere Informationen zum sicheren Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger finden betriebliche Arbeitsschützer in Kapitel 2.36 der DGUV 100-500.

Sicherheit durch professionelle Schutzkleidung

Schutzkleidung für den Einsatz mit Hochdruckreinigern ist in vielen Varianten erhältlich, als Jacke oder Overall, Trägerhose oder Schürze. Sie muss zum einen vor Nässe schützen und zum anderen einen Schnittschutz bieten. Schon ab einem Wasserstrahldruck ab etwa 200 bar reicht ein einfacher Nässeschutz nicht mehr aus. Professionelle Schutzkleidung enthält daher besonders stabilisierte Elemente, sogenannte Protektoren, die bei einem unerwünschten Auftreffen des Wasserstrahls dämpfend wirken. Auch der Rest des Körpers muss geschützt werden. Das Tragen von Kopfschutz, Handschutz, Augenschutz und Fußschutz sollte selbstverständlich sein. Je nach Gefährdungslage und -beurteilung können Atemschutz und Gehörschutz hinzukommen.

Neue DIN 19430 legt Standards fest

Für die Prüfung und Zertifizierung von Schutzkleidung gegen Hochdruckwasserstrahl fehlten bislang einheitliche Standards. Die neue DIN 19430 soll dies ändern und legt die Anforderungen an die Leistung, Prüfverfahren, Kennzeichnung usw. fest. Zu den zentralen Kriterien gehören der Wasserdampfdurchgangswiderstand und die Weiterreißfestigkeit.

Schutzausrüstung, die vor Hochdruckwasserstrahl schützt, fällt unter die PSA-Kategorie III. Aus der Kennzeichnung müssen folgenden Angaben hervorgehen:

  • das CE-Zeichen plus die Nummer der überwachenden notifizierten Stelle,
  • die zutreffenden Normen mit den entsprechenden Piktogrammen
  • die Klasse / Leistungsstufe, gemäß der die Ausrüstungskomponente geprüft wurde
  • Hinweise zur Pflege
  • das Herstellungsdatum (oder die Verfallszeit)

Leistungsstufen je nach Düse und Wasserstrahldruck

PSA gegen Hochdruckwasserstrahl wird gemäß der neuen Norm nach drei Leistungsstufen und unterschiedlichen Düsenarten (Flachstrahl-, Punkstrahl- und Rotationsstrahldüse) klassifiziert. Die unterste Leistungsstufe beginnt bei 200 bar, das ist der Druck, ab dem normale Arbeitskleidung keinen ausreichenden Schutz gegen den Hochdruckwasserstrahl bietet. Die Angabe F250500 bedeutet z. B., dass die so gekennzeichnete Schutzkleidung Schutz bietet bei Verwendung von Flachstrahldüsen mit einem Wasserstrahldruck von bis zu 500 bar und einer Rückstoßkraft bis zu 250 N. Wer die Norm nicht vorliegen hat, kann sich über diese Klassifizierung im Detail im Portal der BG BAU informieren

Friedhelm Kring