Die DGUV-Information 212-016 „Warnkleidung“ wurde überarbeitet und im Juli 2021 neu herausgegeben. Gegenüber der Version von 2010 ist das Dokument um 8 Seiten gewachsen.

An den grundlegenden Vorgaben zum Einsatz von Schutzausrüstung (PSA) mit Warnfunktion ändert sich jedoch nichts.

Warnschutz ist im Gegensatz zu den meisten anderen PSA-Komponenten nicht auf eine Körperregion bezogen. Vom Kopf über Oberkörper und Beine bis zu den Schuhen kann die Ausrüstung neben der eigentlichen Schutzfunktion auch eine Warnfunktion übernehmen. Als Warnkleidung i. e. S. gelten Jacken, Westen und Hosen, die genormte Anforderungen an eine hohe Erkennbarkeit erfüllen müssen.

Hohe Sichtbarkeit in jeder Arbeitssituation

Ein Grund für die notwendige Neufassung der DGUV-Information ist die inzwischen geltende Norm DIN EN ISO 20471 für hochsichtbare Warnbekleidung, welche bereits 2013 die frühere EN 471 abgelöst hatte. Neu hinzugekommen in der aktuellen DGUV-Information 212-016 sind zudem eigene Kapitel zu „Warnkleidung in Verbindung mit Schnittschutz“ sowie „Schwerentflammbare Warnkleidung“. Andere Abschnitte wurden überarbeitet und mit neuen Beispielen ergänzt. Nützlich für betriebliche Arbeitsschützer ist auch die neu aufgenommene „Betriebsanweisung Straßenverkehr“.

Für den Praktiker gut zu wissen ist, dass die maßgeblichen Grundsätze für den Einsatz von Warnkleidung weiterhin gelten. Warnkleidung muss getragen werden, wenn ein „Übersehen werden“ ein Risiko darstellt und technische oder organisatorische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz bieten. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Erkennbarkeit einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters – ob bei Tag oder bei Nacht – durch Dämmerung, Nebel, schlechte Lichtverhältnisse oder ähnliche Faktoren vermindert ist und zum Risikofaktor wird.

Die Schutzfunktion von Warnkleidung basiert auf zwei Elementen:

  • einer fluoreszierenden Hauptfarbe, welche durch einen hohen Kontrast den PSA-Träger optisch von seiner Arbeitsumgebung abhebt,
  • plus retroreflektierenden Materialien, meist in Form von Reflexstreifen, die auftreffendes Licht – z.- B. von Autoscheinwerfen – zurückwerfen.

Die wichtigsten Anforderungen an die dabei verwendeten Farben (Gelb und Orange-Rot) sowie die Größen und Abstände der Reflexstreifen – festgelegt in der DIN EN ISO 20471 – werden von der neuen DGUV-Information erläutert.

Warnfunktion plus zusätzliche Schutzanforderungen

Nicht selten kommen zur Erkennbarkeit weitere Schutzanforderungen, etwa vor Wind und Wetter, mechanischen (z. B. bei Schnittschutzhosen für Forstarbeiten) oder chemischen Einwirkungen. Vor dem Auswählen und Verwenden von Warnkleidung steht daher – die DGUV-Information weist explizit darauf hin – stets eine Gefährdungsbeurteilung. Eine besondere Herausforderung kann es darstellen, wenn eine PSA neben ihrer Warnfunktion schwer entflammbar sein soll. Denn ein Stoff, der möglichst inert (reaktionsträge) sein muss, lässt sich naturgemäß auch schwerer einfärben. Die Autoren weisen darauf hin, in solchen Fällen ggf. noch mal zu prüfen, ob sämtliche technischen oder organisatorischen Schutzmaßnahmen ausgeschöpft sind.

Ansonsten gilt für Warnkleidung das gleiche wie für andere PSA. Sie muss mit Angaben zur Schutzwirkung gekennzeichnet sein, das CE-Kennzeichen tragen und ihrem Träger individuell passen. Der Arbeitgeber muss die Warnkleidung stellen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sie bestimmungsgemäß verwenden.

Schutzstufen in 3 Klassen

Hinsichtlich ihrer Schutzfunktion wird Warnkleidung in 3 Klassen eingeteilt. Mit höherer Klasse nimmt die geforderte Mindestfläche an fluoreszierendem sowie retroreflektierendem Material zu und somit der Grad der Warnschutzwirkung. Bei Arbeitsstellen an Straßen sollte laut DGUV-Information mindestens Warnkleidung der Klasse 2 getragen werden. Bei erhöhter Gefährdung, z. B. bei Straßenverkehr schneller als 60 km/h, ist Warnkleidungsklasse 3 zu wählen.

Wer Warnkleidung verwendet, sollte wissen, dass sie

  • vor dem Verwenden auf augenscheinliche Mängel und Beschädigungen zu prüfen ist.
  • vor direktem Sonnenlicht geschützt aufbewahrt werden sollte.
  • ausgetauscht werden muss, wenn ihre Leuchtwirkung durch Schmutz, Alterung oder Beschädigung nachgelassen hat.
  • nur gemäß den Herstellerangaben und professionell gewaschen bzw. chemisch gereinigt werden sollte.

Insbesondere der letzte Punkt darf in den Unterweisungen nicht vergessen werden. Denn ein unsachgemäßes Waschen von Textilien mit Warnfunktion kann die speziellen Eigenschaften des Materials, etwa eine flammhemmende Imprägnierung, gefährden und damit die Schutzwirkung vermindern.

Hinweis: Spezielle Warnkleidung für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks werden von der DGUV-Information 212-016 nicht erfasst. Das Dokument verweist dazu auf die DGUV Regel 105-003 zur PSA im Rettungsdienst und auf die DGUV-Information 205-014 zur PSA-Auswahl für Feuerwehren.

 

 

Friedhelm Kring