Das Organisieren von Erster Hilfe und das Bereithalten der dabei benötigten Materialien gehört unverzichtbar zur Organisation des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Zwei DIN-Normen regeln, womit die Verbandkästen in Unternehmen gefüllt sein sollen. Beide Normen wurden kürzlich überarbeitet und mit Wirkung ab 1. November 2021 neu veröffentlicht.

Die Rechtsgrundlage für die in Unternehmen vorzuhaltenden Erste-Hilfe-Mittel, die Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR) A4.3, nennt kleine und große Verbandkästen. Details zur Füllung dieser Kästen oder Koffer werden von spezifischen Normen erfasst. Die DIN 13157 regelt die Art und Menge der Erste-Hilfe-Materialien in den kleinen, die DIN 13169 die Inhalte der großen Betriebsverbandkästen. Sie gelten nicht nur für diese sogenannten Betriebsverbandkästen, sondern auch für die Erste-Hilfe-Kästen in Schulen oder Kindertagesstätten. Diese Normen sind so aufeinander abgestimmt, dass in aller Regel ein großer durch zwei kleine Verbandkästen ersetzt werden kann.

Neu im Sortiment: Reinigungstücher und Gesichtsschutz

Mehr als 10 Jahre nach der letzten Aktualisierung der Normen mussten die Standardvorgaben für Erste-Hilfe-Materialien in Verbandkästen angepasst werden. Neu hinzugekommen sind:

  • Reinigungsmittel: 4 Feuchttücher zum Reinigen unverletzter Haut.
  • Gesichtsschutz: 2 Gesichtsmasken, die mindestens der DIN EN 14683 für medizinischen Mundschutz entsprechen müssen.

Diese Änderungen sind – das ist insbesondere beim Gesichtsschutz offensichtlich – sind den u. a. durch die Corona-Pandemie gestiegenen Hygiene-Anforderungen geschuldet.

50 Prozent mehr Pflaster

Das Pflastersortiment für beide Kästen wird durch die neuen Normen um die Hälfte aufgestockt. So enthält ein kleiner Betriebsverbandkasten nun 12 statt bisher 8 Wundschnellverbände oder 6 statt 4 Fingerverbände, s. Tabelle.

 

 

Inhalte eines kleinen Verbandkastens
nach DIN 13157
bisherab Nov. 2021
Wundschnellverband 10 x 6 cm 8 Stück 12 Stück
Fingerkuppenverband 5 x 4 cm 4 Stück 6 Stück
Fingerverband 12 x 2 cm 4 Stück 6 Stück
Pflasterstrips 7,2 x 1,9 cm 4 Stück 6 Stück
Pflasterstrips 7,2 x 2,5 cm 8 Stück 12 Stück
Gesamtmenge an Pflastern 28 Stück 42 Stück

 

 

Damit enthält der kleine Kasten nun insgesamt 42 (statt 28) Strips. Analog ist der große Verbandkasten nach DIN 13169 von bislang 56 auf nun 84 Pflaster angewachsen. Alle anderen Anforderungen bleiben weitestgehend gleich oder sind eher für den Hersteller und weniger den Nutzer der Verbandkästen relevant. Dabei geht es z. B. um einen wirksamen Korrosionsschutz für Behälter oder darum, dass Einmalhandschuhe eines Verbandkastens neben der Zertifizierung gemäß EN 455 (für medizinische Schutzhandschuhe) auch nach EN 374 (für Chemikalienschutzhandschuhe) zertifiziert sein dürfen.

Alte Verbandkästen austauschen oder nicht?

Für Arbeitgeber, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit stellt sich die Frage, ob die alten Verbandkästen, die nun nicht mehr der neuen Norm entsprechen, aussortiert und durch Erste-Hilfe-Koffer auf der Basis der neuen Anforderungen ersetzt werden müssen. Diese Frage kann verneint werden. Vorhandene Verbandkästen, die komplett gefüllt sind und bei denen das Datum noch nicht abgelaufen ist, dürfen bleiben. Es empfiehlt sich, bei renommierten Anbietern nach Ergänzungssets zu schauen. Denn gerade die erhöhten Pflastermengen, aber je nach Situation auch Reinigungstücher und Gesichtsmasken, könnten im Ernstfall auf die Schnelle sehr nützlich sein.

Wo jedoch Verbandkästen beschädigt wurden, verloren gingen oder auch Erste-Hilfe-Materialien benutzt wurden, ohne anschließend die Inhalte der Kästen nachzufüllen, kann eine komplette Neuausstattung geboten sein. Dabei ist es die Jahreszahl einer Norm allein gar nicht entscheidend. Auch ältere Bestände an Erste-Hilfe-Materialien dürfen weiterhin gekauft und verwendet werden. Wichtiger ist vielmehr das Mindesthaltbarkeitsdatum und ob die Mittel noch unbeschädigt und steril sind. Bei Billig-Angeboten vom Wühltisch eines Großmarktes oder gar Schnäppchen vom Flohmarkt ist Vorsicht geboten.

Verbandkasten 2.0: Alte Verbandkästen nicht einfach wegwerfen!

Last, but not least: Ausrangierte Erste-Hilfe-Mittel, ob aus Fahrzeugen oder dem Betrieb, muss man nicht im Restmüll entsorgen, man kann die Materialien oder ganze Verbandkasten spenden. Die von engagierten jungen Leuten gegründete Aktion Verbandskasten 2.0 e.V. sammelt nicht mehr benötigte Erste-Hilfe-Materialien und schickt sie nach Ghana. Dort werden sie bei der Ersten-Hilfe-Ausbildung an Schulen, Universitäten und Communities genutzt. Eine sympathische und sinnvolle Aktion, die man ganz einfach unterstützen kann.

Friedhelm Kring