Hochwertige Schutzausrüstung muss aus guten Gründen eine Vielzahl strenger Kriterien erfüllen.

Die Anforderungen an das jeweilige Schutzniveau, die Prüfverfahren und die Kennzeichnung der in Verkehr gebrachten PSA-Komponenten sind in internationalen Normen und Standards festgelegt. Weniger stark reguliert, aber zunehmend nachgefragt sind Nachhaltigkeitskriterien, auch für berufliche genutzte Textilien. Doch wer sich bemüht, eine ökologisch wie sozial verträgliche Schutzkleidung zu finden, steht vor einer kaum überschaubaren Palette an Initiativen, Zertifizierungen, Siegeln und Labeln.

Ob Fridays for Future, das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder die für 2023 geplante Ausweitung der CSR-Berichtspflicht auch auf kleinere Unternehmen (ab 250 Mitarbeitern), eines wird immer deutlicher: Wer in Deutschland bzw. der EU erfolgreich und gesellschaftlich anerkannt wirtschaften will, muss sich aktiv mit den Folgen seines ökonomischen Handelns und Unterlassens beschäftigen. Produkt und branchenübergreifend wird das Kriterium Nachhaltigkeit unverzichtbar. Auch bei den PSA-Herstellern ist das Thema längst angekommen und fließt in die Entwicklung neuer Produktlinien ein. „Faire Arbeitskleidung“ „Sauberer Workwear“, „Nachhaltige Schutzausrüstung“ und ähnliche Slogans erobern zunehmend Werbeprospekte, Arbeitsschutzmessen und Online-Shops.

Umweltstandards plus Sozialstandards

Da viele PSA-Komponenten textiler Natur sind, liegt es nahe, die für umweltgerechte Bekleidung entwickelten Kriterien auch für textile Schutzausrüstung anzuwenden. Dabei muss jedoch stets sichergestellt sein, dass die jeweilige Schutzwirkung niemals – auch nicht aus noch so gut gemeinten Gründen – ausgehebelt werden darf. Bei der Einschätzung eines Kleidungsstücks oder einer textilen PSA-Komponente hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit kommt hinzu, dass die Bewertung der relevanten Kriterien komplexer sein kann als der Laie glaubt. So muss z. B. ein Produkt aus Baumwolle keineswegs automatisch nachhaltiger sein als sein Pendant aus chemisch synthetisierten Kunstfasern. Denn Baumwolle wird häufig unter hohem Einsatz von Wasser und Pestiziden angebaut und ein Produkt aus Chemiefasern kann deutlich länger in Gebrauch sein. Siegel wie CMIA (Cotton made in Africa), Better-Cotton oder die Kampagne für Saubere Kleidung bieten in solchen Fragen eine Orientierung.

Bei Nachhaltigkeit von Textilien geht es zudem nicht allein um ökologische Aspekte wie Schadstofffreiheit, Ressourcenschonung, Produktlebensdauer oder Rezyklierbarkeit. Ein weiterer und genauso bedeutsamer Kriterienkatalog erfasst die sozialen Aspekte und menschengerechte Arbeitsbedingungen und zwar von der Rohstoffgewinnung an. Dazu gehören z. B.

  • das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit
  • faire Löhne, faire Handelsbedingungen und faire Preise
  • angemessener Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Arbeitenden

Große Vielfalt bei Logos, Labels und Produktkennzeichnungen

Wer in bester Absicht nachhaltige Schutzausrüstung beschaffen will, kann seine Auswahl im Grunde erst nach einer Gesamtschau vieler verschiedener Aspekte treffen. In der Praxis ist ein solcher Aufwand für den Einzelnen kaum zu leisten machbar. Aber diverse Produktlabels, Aus- und Kennzeichnungen bieten Orientierung. Zu den bekanntesten Produktlogos für Nachhaltigkeit der Textilbranche gehören die Fair Wear Foundation, Öko-Tex, Bluesign, der Global Organic Textile Standard sowie das vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) entwickelte Qualitätszeichen BEST. Daneben gibt es viele weitere Initiativen, die sich mit unterschiedlichen Ansätzen für eine nachhaltige Textilproduktion einsetzen wie das Bündnis für nachhaltige Textilien, die Textile Exchange Standards oder den Verein Femnet, der sich für bessere Arbeitsbedingungen von Frauen in der Bekleidungsindustrie einsetzt.

Diese Vielfalt an Ökosiegeln, Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungen mit ihren jeweils eigenen Symbolen, Piktogrammen und Kennzeichnungen ist beeindruckend. Doch sie macht es dem Beschaffer nachhaltiger Schutzausrüstung nicht einfach, zu einer Kaufentscheidung zu kommen. Einkaufsratgeber, die Orientierung im Labeldschungel bieten, veralten schnell, wenn sie nicht konsequent gepflegt werden und der Kompass Nachhaltigkeit fokussiert auf die öffentliche Beschaffung, PSA ist hier kaum zu finden.

Hosen aus fair gehandelter Baumwolle und Jacken aus PET-Flaschen

Manchmal ist der direkte Weg der einfachste. Der engagierte Arbeitsschützer und Einkäufer hat die Option, bei seinem Anbieter und Lieferanten aktiv nachzufragen. Wo wird produziert, woher kommen die Rohstoffe, gibt es Zertifizierungen oder Standards, welche Werte vertritt das Unternehmen? So gibt es bereits Hersteller, welche die Polyesterfasern für neue Arbeitskleidung aus recyceltem Polyester, aus PET-Flaschen oder aus gereinigten, industriellen Plastikabfällen gewinnen. Andere Unternehmen auf dem PSA-Markt haben sich Nachhaltigkeitsinitiativen angeschlossen oder lassen sich nach Umweltkriterien zertifizieren. Ein öffentliches Nachhaltigkeitsranking der PSA-Branche wird es kaum geben. Doch wer sich ein wenig für Nachhaltigkeitskriterien interessiert und nicht nur beim erstbesten Anbieter einkauft oder vermeintlichen Schnäppchen hinterherjagt, wird sich schnell ein eigenes Bild machen können. Die dann guten Gewissens getroffenen Kaufentscheidungen lassen sich dann auch vor den für mehr Klimaschutz demonstrierenden Kindern oder Enkeln rechtfertigen.

Last but not least: Gebrauchte, gut erhaltene Textilien zu verschenken oder über Ebay, Flohmärkte, Basare oder Second-Hand-Läden weiterzuverkaufen, kann für Privatkleidung eine Option sein, die Umwelt zu entlasten. Für PSA, welche die Gesundheit schützen und vor Verletzungen bewahren will, scheidet diese Option in aller Regel aus.

Friedhelm Kring