In vielen Unternehmen wird Kleidung zum Schutz vor Kälte erst benötigt, wenn unter winterlichen Bedingungen Arbeiten im Freien anstehen.

In anderen Branchen müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich das ganze Jahr über vor Kälte schützen, wenn sie – etwa beim Einlagern von Blutplasma oder in Kühlhäusern für Lebensmittel – unter den Bedingungen technisch erzeugter Industriekälte arbeiten müssen. In allen Fällen gilt jedoch, dass der Arbeitgeber geeignete Kleidung zum Schutz vor Auskühlen und Erfrierungen zur Verfügung stellen muss.

Kälteschutzkleidung darf nicht als nette Geste des Arbeitgebers verstanden werden, damit Mitarbeiter sich im winterlichen Außeneinsatz wohler fühlen. PSA zum Schutz vor Kälte dient dem Gesundheitsschutz und ist an vielen Arbeitsplätzen unverzichtbar, um Erkältungen und anderen Gesundheitsfolgen vorzubeugen. Eine niedrige Temperatur allein ist zwar nicht infektiös. Doch bei zu leichter Bekleidung kann der Körper auskühlen. Kommt es durch die Tätigkeit zu Schweißbildung und wird diese Feuchte bei falsch gewählten Kleidungsstücken nicht zügig von der Haut abgeleitet, fördert dies das Kältegefühl zusätzlich. Auch starker Wind verstärkt das Auskühlen des Körpers, wenn dies nicht durch angemessene Kleidung verhindert wird. Je nach der individuellen Befindlichkeit ist es dann oft nicht weit zu Husten, Schnupfen und anderen Erkältungssymptomen. Bei wiederholten Kälteeinflüssen drohen mittelfristig chronische Folgen wie Atemwegserkrankungen oder Rheuma.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen von Kälte und Auskühlung sollten betriebliche Arbeitsschützer auch ein Augenmerk darauf haben, inwiefern klamme Finger oder kalte Füße sicherheitsrelevant werden können. Beweglichkeit und Reaktionsvermögen des ganzen Körpers sind bei Kälte eingeschränkt, beim Beurteilen von Gefährdungen muss dies berücksichtigt werden. Eine angemessene Schutzkleidung trägt maßgeblich dazu bei, dass man sich auch bei tiefen Temperaturen, Wind und Wetter in seiner Haut wohlfühlt und sicher verhält.

Kälteschutzkleidung zum Schutz vor Kälte ab minus 5 Grad

Kälteschutzkleidung nach DIN EN 342 ist für Umgebungstemperaturen unterhalb von – 5 °C konzipiert. Diese Norm legt die Standards fest für Kleidungssysteme mit hoher Wärmeisolation. In den Prüfverfahren geht es nicht nur um die Temperatur, sondern auch um die Eigenschaften und das Verhalten der Textilien bei Feuchte und Wind. Die maßgeblichen Kriterien wie der Grad der Luftdurchlässigkeit und der Wasserdampfdurchgangswiderstand müssen bestimmten Vorgaben entsprechen, bevor eine PSA mit EN 342 gekennzeichnet werden darf.

Schutzkleidung zum Schutz vor Kälte wird nicht nur bei Freilandarbeiten in der kalten Jahreszeit getragen, sondern auch in Gefrier- und Kühlhäusern. Eine solche Kälteschutz-PSA besteht i. d. R. aus mehreren Komponenten, um sowohl Oberkörper wie Beine zu schützen. Neben den typischen Kombinationen von Latzhose mit Parka oder Blouson sind auch Kälteschutz-Overalls erhältlich. PSA zum Schutz vor Kälte gemäß DIN EN 343 ist an einem Piktogramm zu erkennen, das einen Eiskristall darstellt.

Auch die weiteren (nicht von der EN 342 erfassten) Elemente der Arbeitskleidung, vom Pullover bis zur Unterwäsche, sollten für das Arbeiten bei Kälte geeignet sein. Empfohlen wird die Zwiebelmethode, bei der statt einem dicken Bekleidungsteil mehrere dünnere Schichten übereinander gezogen werden. Dazu kommen je nach Bedarf weitere Elemente wie Steppwesten, Mützen, Stirnbänder, Handschuhe usw. Auch Schuhe mit rutschfesten Profilen sind gerade bei winterlichen Verhältnissen unverzichtbar.

Tipp: Bei hohen und anhaltenden Belastungen durch Kälte, Wind und Regen kann es sinnvoll sein, sich doppelt mit Mützen, Handschuhe und Schuhen auszustatten. So kann man Kleidungsstücke wechselweise tragen und die nicht benutzten Komponenten können zwischenzeitlich in geeigneten Umgebungen oder speziellen Trockenschränken wieder trocknen und warm werden.

Schutzkleidung gemäß EN 14058 für kühle Innenbereiche

Von Kälteschutz-PSA i. e. S. zu unterscheiden ist die Wetterschutzkleidung nach DIN EN 343, die auf die Eigenschaften wasserdicht und atmungsaktiv fokussiert. Auch das berufsgenossenschaftliche Regelwerk unterscheidet in der – derzeit nicht erhältlichen, weil in Überarbeitung befindlichen – DGUV Regel 112-189 die Kälteschutzkleidung von der Wetterschutzkleidung.

Eine Schutzkleidung nach DIN EN 14058 schützt zwar auch vor Kälte, ist aber nur für das Arbeiten bei Temperaturen oberhalb – 5 °C vorgesehen. Dieser PSA-Typ wird daher oft nicht als Kälteschutzkleidung, sondern als „Schutzkleidung gegen kühle Umgebung“ geführt. Eine solche PSA wird typischerweise in Innenbereichen getragen, wo es – etwa in Betrieben der Lebensmittelbranche – kühle Arbeitsbereiche gibt, die Schutzkleidung aber weder wasserdicht noch luftundurchlässig noch für tiefere Minusgrade ausgelegt sein muss.

Aufwärmzeiten, heiße Getränke und Hautschutz nicht vergessen

Neben den vielen anderen winterbedingten Maßnahmen (Reifenwechsel, Winterdienst auf dem Betriebsgelände organisieren, Außenbeleuchtung kontrollieren usw.) ist es zu Beginn der kalten Jahreszeit aus Sicht des Arbeitsschutzes wichtig, Mitarbeitern im Kälteeinsatz zusätzliche Aufwärmzeiten einzuräumen. Auch sollte sichergestellt sein, dass in Pausenräumen jederzeit heiße Getränke zur Verfügung stehen oder zubereitet werden können.

Last, but not least darf im Winter der Hautschutz keinesfalls vernachlässigt werden. Die oft bereits durch häufiges Waschen und Desinfizieren belasteten Hände sollten regelmäßig mit stark rückfettender Handcreme eingecremt werden. Auch für das Gesicht und die Lippen von Kältearbeitern sollten stets fetthaltige Produkte zur Verfügung stehen.

Friedhelm Kring