Bodennahe Tätigkeiten werden oft im Knien ausgeführt. Dabei wird das Kniegelenk stark belastet. Hin und wieder kniend zu arbeiten, ist für Menschen mit gesunden Gelenken unproblematisch.

Doch wer im Beruf häufig und oft über mehrere Stunden in kniender Körperhaltung verbringt, sollte alle Möglichkeiten nutzen, seine Knie zu entlasten, um Erkrankungen und chronischen Beschwerden vorzubeugen.

 

 

 

 

Körperzwangshaltungen belasten Muskulatur und Skelett

Das Arbeiten im Knien wird im Arbeitsschützerjargon den sogenannten Körperzwangshaltungen zugerechnet. Damit werden Körperhaltungen bezeichnet, die – vorgegeben durch die Tätigkeit – länger andauernd bzw. ununterbrochen und somit statisch eingenommen werden müssen. Dazu gehören etwa das Arbeiten über Kopf, ein Arbeiten mit vorgebeugtem oder verdrehtem Oberkörper, aber auch Tätigkeiten im Fersensitz, in der Hocke oder im Knien. All diese Körperhaltungen werden nicht nur als anstrengend empfunden, sondern stellen auch eine massive Belastung des Muskel-Skelett-Systems dar.

Knieende Tätigkeiten sind für einige Branchen und Berufe typisch, bei denen häufig bodennahe Arbeiten ausgeführt werden müssen wie bei Estrich-, Fliesen- und Parkettlegern. Auch im Garten- und Landschaftsbau fallen immer wieder Arbeiten an, bei denen ein Knien so gut wie unvermeidbar ist, z. B. bei Pflasterarbeiten, beim Verlegen von Gehwegplatten oder bei Pflanzarbeiten. Auch andere Handwerksberufe, insbesondere Baugewerke wie Dachdecker und Maurer oder auch Installateure aus der Elektro-, Heizungs- oder Sanitärbranche sind betroffen.

 

Der Mensch ist nicht fürs Knien gemacht

Wer bei Gartenarbeiten im Knien auf ein kleines Steinchen trifft, weiß, wie empfindlich unser Knie reagieren kann. Doch nicht nur kleine oder spitze Gegenstände, auch ein harter Untergrund, ungünstige Drehbewegungen und der ständige Druck auf die Kniegelenke können Beschwerden verursachen.

Arbeitsmediziner und Orthopäden warnen vor den möglichen Folgen eines häufigen Arbeitens im Knien:

  • überlastete Muskeln, Sehnen und Bänder
  • Funktionsstörungen der Kniegelenke
  • Meniskus- und andere Knorpelschäden
  • Reizungen und Entzündungen der Schleimbeutel mit der Gefahr der Chronifizierung
  • Arthrosen der Kniegelenke
  • Erkrankungen der Beinvenen, insbesondere Krampfadern

Wie ernst die Kniebelastungen am Arbeitsplatz zu nehmen sind, zeigt sich auch daran, dass allein drei anerkannte Berufskrankheiten auf Kniebelastungen zurückgehen:

  • BK 2102 „Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten“
  • BK 2015 „Chronische Erkrankungen der Schleimbeutel durch ständigen Druck“
  • BK 2112 „Gonarthrose durch eine Tätigkeit im Knien oder vergleichbarer Kniebelastung mit einer kumulativen Einwirkungsdauer während des Arbeitslebens von mindestens 13.000 Stunden und einer Mindesteinwirkungsdauer von insgesamt einer Stunde pro Schicht“

 

Gefährdungen beurteilen per Basis-Check und Leitmerkmalmethode

Eine willkommene Hilfe bei der Gefährdungsbeurteilung für knieende Tätigkeiten stellt die im Februar 2022 in neuer Fassung veröffentlichte Arbeitsmedizinische Regel (AMR) 13.2 dar. Sie befasst sich mit den sogenannten „wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen“, die bei Arbeiten im Knien und anderen Zwangshaltungen typischerweise vorkommen. Diese werden definiert als „regelmäßig oder dauerhaft am Arbeitsplatz wiederkehrende Belastungen, die zu einer Überbeanspruchung mit der Folge von Beschwerden, Funktionsstörungen oder Schädigungen insbesondere am Muskel-Skelett-System führen können.“

Die neue AMR beschreibt ein abgestuftes Vorgehen für das Einschätzen der Gesundheitsgefährdung, das von einem Erstscreening per Basis-Check zur Orientierung über speziellere Beurteilungsverfahren wie die bewährten Leitmerkmalmethode zur Beurteilung und Gestaltung von Belastungen bei Körperzwangshaltungen bis zu Expertenscreenings für besonders komplexe Belastungssituationen reicht. Eine zentrale Aussage der AMR 13.2 ist, dass der Arbeitgeber arbeitsmedizinische Wunschvorsorge auch dann anbieten muss, wenn sich der Verdacht auf eine wesentlich erhöhte körperliche Belastung nicht erhärtet hat.

 

Knieschoner beugen Beschwerden und Erkrankungen vor

Neben technischen Hilfen wie Teleskopstangen zur Verlängerung von Werkzeugen, organisatorischen Maßnahmen wie dem Abwechseln von knieenden mit anderen Körperhaltungen sowie der arbeitsmedizinischen Vorsorge gibt es für Knie auch eine spezielle persönliche Schutzausrüstung (PSA). Das Nutzen dieser Knieschoner ist dringend zu empfehlen, wenn das Arbeiten im Knien nicht vermieden werden kann.

Ein Knieschoner hat die Funktion, die am Kniegelenk auftretenden Kräfte gleichmäßig zu verteilen und Verletzungen durch harte Untergründe, kleine Steinchen o. Ä. zu verhindern. Diese auch Knieschützer genannten PSA-Komponenten sollten

  • aus robusten und strapazierfähigen Materialien wie etwa Cordura bestehen.
  • gleichzeitig so leicht wie möglich sein, um das Arbeiten nicht unnötig zu erschweren.
  • sich unkompliziert an- und ablegen lassen.
  • sich so am Knie befestigen lassen, dass sie auch nach einem Aufstehen oder Herumlaufen ihre Position halten.
  • an den Innenseiten keine störenden Unebenheiten wie Nähte oder aufweisen.
  • nötigenfalls gegen Kälte des Untergrunds isolieren.
  • (in den höheren Leistungsstufen 1 und 2) Schutz gegen Durchstich bieten.
  • beständig sein gegen Chemikalien, sofern dies am Arbeitsplatz eine Rolle spielt.
  • dem Benutzer passen, so dass auch tatsächlich eine optimale Druckentlastung gegeben ist.

Die DGUV Regel 112-991 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“ erläutert die Benutzung von Fuß- und Knieschutz. Anhang 3 der DGUV Regel stellt die 4 Typen von Knieschutz vor, die in drei Leistungsstufen gemäß DIN EN 14404 vorliegen können. Diese europaweit geltende Norm legt – in der aktuellen Version von 2010 – die Anforderungen an Knieschützer für das Arbeiten in kniender Haltung fest.

Neben den klassischen Knieschonern zum Umbinden über dem Hosenbein gibt es auch einen Knieschutz, der in spezielle, mit Einschubtaschen versehene Hosen eingesetzt wird. Auch wer nur hin und wieder im Beruf kniend arbeiten muss, ist gut beraten, eine Bundhose oder Arbeitslatzhose zu verwenden, die auf die Schnelle mit einem solchen Polster ausgestattet werden kann. Bei anderen Hosenmodellen kann ein knieschützendes Polstermaterial auch fest mit dem Hosenmaterial verbunden sein. Ist lediglich das Hosenmaterial verstärkt, um die Haltbarkeit zu verbessern, stellt dies noch keinen ausreichenden Knieschutz dar.

Auch fernab von Handwerkstätigkeiten kann ein Job häufiges Knien erfordern, z. B. beim Umgang mit Kindern in Kindertageseinrichtungen. Hier kann es sinnvoll sein, statt Knieschonern stets geeignete Knieunterlagen zur Verfügung zu haben. Spezielle Kniekissen oder Bodenmatten als Knieschutzmatten sind gut geeignet, um die Knie zu schonen und die Gelenke zu entlasten. Auch solche Knieunterlagen sind in unterschiedlichen Varianten erhältlich, z. B. in elektrisch isolierender Ausführung für Lichtbogenschweißarbeiten. Angesichts des Produktspektrums gibt es keine Entschuldigung, auf knieschonende Ausrüstung zu verzichten.

Friedhelm Kring