Arbeitsunfälle durch Stolpern, Rutschen oder Stürzen – im Arbeitsschutzjargon als SRS-Unfälle zusammengefasst – sind eine häufige Ursache von Verletzungen.

Mitentscheidend für eine erfolgreiche Prävention sind die Wahl des geeigneten Schuhwerks und die rutschhemmenden Eigenschaften der Laufsohle. Diese werden in standardisierten Prüfverfahren ermittelt.

Die Begriffe Rutschsicherheit und Rutschfestigkeit werden meist im Hinblick auf die Trittsicherheit von Fußböden, Treppenstufen oder Bodenbelägen verwendet. Doch auf die Rutscheigenschaften des Untergrunds hat der betriebliche Arbeitsschützer wenig Einfluss, wenn es z. B. bei Außenarbeiten schneit oder auf Baustellen der Untergrund nass oder matschig ist. Hier kommt es in erster Linie auf die Rutscheigenschaften des Schuhs an, die über das Kriterium Rutschhemmung definiert sind. Rutschhemmende Sohlen sind eine Standardanforderung für jeden Schuh, der mindestens die Schutzklasse SB erfüllt und damit als Sicherheitsschuh gilt.

Rutschhemmung bei Fett und Seife auf unterschiedlichen Böden

Bei den Angaben zur Rutschhemmung von Sicherheitsschuhen in Katalogen oder Online-Shops findet sich oft eine Codierung aus 3 Großbuchstaben. Diese geben Auskunft darüber, welche spezielle Art der Rutschhemmung erfüllt ist. Die Anforderungen an die Rutschhemmung von allen Schuhen, die der persönlichen Schutzausrüstung zugerechnet werden, werden durch die DIN EN ISO 13287 geregelt.

Laut dieser Norm wird das Rutschverhalten von Schuhen in Rutschhemmungsprüfungen ermittelt. Dabei werden standardisierte rutschgefährliche Situationen mit unterschiedlichen Bodenbelägen und Gleitmitteln ausgetestet. Etwas vereinfacht ausgedrückt werden sowohl für einen eingefetteten Stahlboden wie für eingeseifte Keramikfliesen spezifische Reibungskoeffizienten ermittelt. Daraus ergibt sich eine Zuordnung der Rutschhemmung in drei Klassen wie folgt:

  • SRA bedeutet Rutschhemmung auf Boden mit Keramikfliesen. Folgt eine weitere Abkürzung, zeigt diese das verwendete Gleitmittel an, in diesem Fall ein Tensid, das typischerweise in Reinigungsmitteln verwendet wird. SLS steht für Sodiumlaurylsulfat und NaLS für Natriumlaurylsulfat, die deutsche Bezeichnung für die gleiche Chemikalie.
  • SRB bedeutet Rutschhemmung auf Stahlboden. Als Gleitmittel wird hier Glycerin verwendet, das natürlicherweise in vielen pflanzlichen Fetten und Ölen vorkommt und manchmal auch als Glycerol bezeichnet wird.
  • SRC steht für die Kombination aus SRA und SRB, d. h. ein Schuh mit einer solchen Sohle bietet eine Rutschhemmung unter beiden Bedingungen.

Diese Einteilung der Rutschhemmung von Schuhen darf nicht mit den Anforderungen an die Rutschhemmung von Fußböden und Bodenbelägen verwechselt werden. Dafür gelten sogenannte Rutschsicherheitswerte, die mit anderen Normen und anderen Prüfmethoden ermittelt werden, als es für Sicherheitsschuhe der Fall ist.

Spikes für besondere Einsätze

Darüber hinaus kann spezielles Zubehör genutzt werden, um Schuhe noch rutschhemmender zu machen. An erster Stelle stehen hier Spikes. Sie sind in unterschiedlichen Ausführungen mit unterschiedlichen Befestigungsarten erhältlich. Einige Modelle sind gezielt für bestimmte Einsatzzwecke konzipiert. So können z. B. metallene Spikes in dafür vorgesehene Felder der Schuhsohle eines Schnittschutzstiefels „eingeschraubt“ werden, um bei Forstarbeiten auf Baumstämmen besseren Halt zu bieten.

In anderen Rutschschutz-Lösungen lassen sich die Spikes über eine Halterung oder einen Überschuh dem eigentlichen Schuh oder Stiefel umschnallen, was deutlich breitere Anwendungsmöglichkeiten bietet. Gerade bei Freilandarbeiten auf verschneiten Untergründen oder im Schneematsch können solche Rutschschutz-Komponenten einem Ausgleiten, Hinfallen und Stürzen vorbeugen. Da rutschhemmende Zubehörteile wie Spikes von der DIN EN ISO 13287 nicht erfasst werden, fehlt hier eine Kennzeichnung laut SRA, SRB und SRC.

Unabhängig von den Situationen mit besonderen Anforderungen an einen rutschsicheren Stand ist für das Rutschverhalten eines Schuhs maßgeblich, dass die Sohle eine ausreichende Profiltiefe aufweist. Insbesondere in der kalten Jahreszeit, wenn stets mit Schnee oder Schneematsch zu rechnen ist, sollten Arbeits-, Berufs- und Sicherheitsschuhe regelmäßig kritisch inspiziert werden. Abgenutzte Profile und abgelaufene Schuhe gehören aussortiert.

Friedhelm Kring