Atemschutzmasken sind in diesen Tagen gefragt wie nie. Auch Laien und Personen fern vom Gesundheitswesen fragen nach Atemschutz und Abkürzungen wie FFP2 geistern durch Talkshows und Kommentare. Nachfolgend eine kurze Übersicht.

Atemschutz zählt zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA), die vor tödlichen Gefahren oder ernsten und irreversiblen Gesundheitsschäden schützt. Zur Atemschutz-PSA gehören eine Vielzahl unterschiedlicher Komponenten mit unterschiedlichen Schutzfunktionen und Schutzwirkungen. Das Spektrum reicht vom der Staubschutzmaske aus dem Baumarkt bis zu von der Außenluft unabhängigen Pressluftatmern und Gebläsefiltersystemen für Feuerwehren und Spezialeinsätze.

Atemschutz-Maske versus Mund-Nase-Schutz
Atemschutz in Form von Gesichtsmasken zum Schutz vor durch Partikeln verursachte Gefahren gilt als PSA und fällt unter die Verordnung 2016/425/EU, die sogenannte PSA-Verordnung. Demgegenüber fallen Operationsmasken, auch als Mund-Nasen-Schutz bezeichnet, in den Anwendungsbereich der europäische Medizinprodukte-Verordnung 2017/745/EU. Die DGUV hat vor wenigen Tagen eine Übersicht zu den Unterschieden und Einsatzgebieten dieser beiden Atemschutzarten veröffentlicht.

Bei Atemschutz-PSA werden Halbmasken und Vollmasken unterschieden. Halbmasken nach EN 136 umschließen den Mund, die Nase und das Kinn. Sie können als Formmaske oder als Faltmaske gestaltet sein. Vollmasken nach EN 140 bedecken das gesamte Gesicht. Sie schützen über den Bereich von Mund und Nase hinaus insbesondere auch die Augenpartie vor Gasen, Hitze und gesundheitsschädlichen Stoffen. Somit ist die Schutzwirkung höher als bei Halbmasken. Um optimalen Schutz zu bieten, muss eine Maske dicht an der Gesichtshaut anliegen.

Was bedeuten FFP und die weiteren Abkürzungen?
Das Kürzel FFP steht für „Filtering Face Piece“, was auf Deutsch etwa mit „filterndes Gesichtsteil“ oder Feinstaubmaske zu übersetzen wäre. Diese partikelfiltrierenden FFP-Masken schützen vor feinen Partikeln (Staubteilchen) und Aerosolen (Flüssigkeitströpfchen), nicht jedoch vor Gasen. Die auf FFP folgende Ziffer gibt die Schutzstufe an, dabei nimmt die Schutzwirkung von 1 bis 3 zu. Die FFP-Einteilung ist europaweit normiert und beruht auf den maximal zulässigen Konzentrationen eines gefährlichen Stoffs am Arbeitsplatz.

Weitere Abkürzungen, die sich auf Atemschutzmasken oder deren Verpackungen finden: HM steht für Halbmaske, VM für Vollmaske. R bedeutet „reusable“, diese Halbmaske ist (nach Desinfektion) wiederverwendbar. NR steht für „not reusable, diese Halbmaske ist zum einmaligen Gebrauch bzw. maximal für eine Schicht verwendbar.

Ausnahmesituation erfordert Ausnahmeregelungen
In der aktuellen Coronapandemie werden Atemschutzmasken vielerorts zur Mangelware. Deutschland hat Anfang März die Ausfuhr eingeschränkt, dann wieder gelockert. In den USA ist das Horten von Desinfektionsmitteln und Schutzmasken inzwischen strafbar. Aus der Automobilbranche kommen Meldungen, dass Unternehmen ihre Vorräte an FFP2- und FFP3-Atemschutzmasken aufgrund der angespannten Lage an Kliniken und Arztpraxen spenden.

Wir appellieren auch an dieser Stelle, vorhandene Lagerbestände an Atemschutzmasken denen zur Verfügung zu stellen, die sie in der aktuellen Situation dringender benötigen.

Aufgrund des hohen Bedarfs werden auch die Vorschriften für Hersteller gelockert. Seit dem 13. März haben EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit, zur Versorgung ihres medizinischen Personals auch Atemschutzmasken ohne CE-Kennzeichnung einzukaufen.
Denn vielerorts werden im Eiltempo Masken gefertigt, die so dringend benötigt werden, dass ein aufwendiges Konformitätsbewertungsverfahren nicht mehr gerechtfertigt wäre. Dennoch müssen auch diese Masken ein angemessenes Gesundheits- und Sicherheitsniveau aufweisen. Um dies sicherzustellen, haben das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) und die DEKRA Testing and Certification GmbH einen Schnelltest entwickelt. Mit diesem neuen Test lässt sich überprüfen, ob auch Atemschutzmasken, die derzeit auf Zulassung warten, in der aktuellen Situation eingesetzt werden können. Dieser Atemschutz mit Schnellprüfung stellt jedoch laut Angaben der DGUV keine reguläre PSA gemäß PSA-Verordnung dar. Er sei lediglich als „letzte Reserve für systemrelevante Personen im Gesundheitsdienst“ gedacht und nur dann, wenn keine sonstigen Atemmasken zur Verfügung stehen. Das IFA-Institut und die DEKRA bieten die neue Prüfung bereits an, weitere Prüfstellen könnten folgen.

Die BAuA gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen zu beruflichen Tätigkeiten mit SARS-CoV-2. Hier gibt es die neusten Informationen, etwa zum ressourcenschonenden Einsatz von FFP-Masken in Einrichtungen des Gesundheitswesens bei Lieferengpässen.

Sollten gesunde Menschen Atemschutz tragen?
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass Personen, die Corona-Infizierten nahekommen oder die selbst Erkältungssymptome wie Husten oder Schnupfen zeigen, eine Gesichtsmaske tragen. Dies dient weniger dem Eigenschutz als der Vorbeugung, durch Niesen und Husten (möglicherweise infektiöse) Flüssigkeitströpfchen in seiner Umgebung zu verteilen. Dieses Hygieneverhalten, während der Erkältungssaison in der Öffentlichkeit einen Atemschutz zu tragen, wird auch als einer der Gründe angesehen, warum asiatische Länder wie Südkorea oder Taiwan von der Pandemie weniger stark betroffen sind. Denn der Coronavirus wird durch Tröpfcheninfektion verbreitet.

Zwei Aspekte sind dabei ganz wichtig:
1) Das Tragen einer Atemschutzmaske darf nicht dazu verleiten, andere Sicherheitsmaßnahmen wie Händehygiene und Kontaktvermeidung zu vernachlässigen.

2) Einwegmasken und OP-Masken sollten aufgrund der angespannten Versorgungslage denen zur Verfügung stehen, die sie in der Krankenpflege oder im OP-Saal wirklich benötigen.

In der aktuellen Lage wird auf vielen Ebenen versucht, den Nachschub an Atemschutzprodukten zu sichern. Textilunternehmen stellen ihre Produktion um und es entstehen neue Plattformen und Partnerschaften. Darüber hinaus verbreiten sich derzeit Anleitungen, um einfache Gesichtsmasken selbst herzustellen oder zu nähen. Aus Baumwollstoff gefertigt können solche Masken heiß gewaschen und mehrfach verwendet werden. Solche Masken können im persönlichen Umfeld und sinnvoll sein und indirekt der Verknappung für Krankenhäuser und Gesundheitspersonal entgegenwirken. Einen Überblick der Expertenmeinungen zu diesem Thema bietet ein stets aktualisierter Artikel der Frankfurter Rundschau.

Friedhelm Kring