Die DGUV hat eine neue Branchenregel für den Bau vorgelegt. Sie fokussiert auf Gefährdungen und Schutzmaßnahmen bei Rückbau- und Abbrucharbeiten und ist als DGUV Regel 101-603 erschienen.

Das Dokument soll betroffene Unternehmen dabei unterstützen, die Vorschriften zu Arbeitsschutz und Unfallverhütung konkret umzusetzen.

Die Branchenregel „Abbruch und Rückbau“ geht systematisch auf die verschiedenen Gefährdungsarten für diesen speziellen Baustellentyp ein. Von Absturz über Gefahrstoffe (z. B. Stäube und Asbest), Biostoffe (Taubenkot, Biostoffe, Mäusedreck usw.) bis zu Lärm und Maschinen werden jeweils die Risiken erläutert, die relevanten Rechtsgrundlagen genannt und geeignete Lösungen vorgeschlagen. Auch die typischen Abbruchtätigkeiten wie Entkernen, Betonsägen, Demontage oder Sprengen sind mit ihren besonderen Gefährdungen und geeigneten Schutzvorkehrungen vorgestellt.

 

Schutzausrüstung unverzichtbar

Ein eigenes Unterkapitel (3.1.10) befasst sich mit dem Einsatz von Schutzausrüstung. Die DGUV macht deutlich, dass PSA immer dann zum Einsatz kommen muss, wenn technische und organisatorische Maßnahmen nicht ausreichen, um eine Verletzungsgefahr oder ein Gesundheitsrisiko wirksam zu minimieren. Die Branchenregel macht u. a. folgende Pflichten deutlich:

  • Der Einsatz von PSA muss unterwiesen werden und in einigen Fällen, z. B. PSAgA oder Atemschutz auch praktisch eingeübt werden.
  • Bei PSA zur Minimierung mehrerer Gefährdungen ist darauf zu achten, dass die Komponenten aufeinander abgestimmt sind.
  • PSA-Komponenten müssen regelmäßig überprüft und bei Beschädigungen ersetzt werden.

Keine zusätzlichen oder Doppelregelungen

Zum Hintergrund: Branchenregeln sind ein vergleichsweise neues Dokumentenformat im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk. Sie befassen sich nicht mit einem bestimmten Gefährdungsfaktor, einem Maschinentyp oder einem Gefahrstoff, sondern fassen alle Sicherheits- und Gesundheitsaspekte für eine Branche zusammen. Daher nimmt durch eine Branchenregel die Zahl der Arbeitsschutzanforderungen keineswegs zu, sondern die Vorgaben aus den diversen Verordnungen, Vorschriften, Technischen Regeln, Normen usw. werden lediglich in einer kompakten und übersichtlichen Form zusammengefasst.

Die Branchenregeln der DGUV haben keinen verpflichtenden Rechtscharakter, niemand muss ihre Inhalte 1 zu 1 umsetzen. Doch wer die Hinweise und Vorschläge zur Prävention anwendet, schützt seine Mitarbeiter vor Unfällen und gesundheitlichen Schäden und erhöht seine Rechtssicherheit.

Die neue Branchenregel ergänzt die bereits 2017 und 2018 veröffentlichten Regeln für den Rohbau und den Innenausbau. Alle 3 Dokumente stehen kostenfrei zum Download:

Autor: Friedhelm Kring