Zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland tragen eine Brille. Ab 45 Jahren wächst der Anteil der Brillenträger auf weit über 70 Prozent. Und der Anteil dieser Gruppe an der erwerbstätigen Bevölkerung wird aufgrund der demographischen Entwicklung weiter ansteigen. Damit ist Fehlsichtigkeit ein Thema mit zunehmender Brisanz für den Arbeitsschutz.

Persönliche Schutzausrüstungen müssen den Beschäftigten individuell passen.“ So fordert es die PSA-Benutzungsverordnung in § 2(2). Bei Sicherheitsschuhen, -jacken oder -hosen ist es selbstverständlich, auf die jeweils erforderliche Konfektionsgröße zu achten. Doch dass Schutzausrüstung den persönlichen Bedürfnissen ihres Träger angepasst sein muss, gilt für jede PSA-Komponente und ist auch beim Augenschutz die Voraussetzung für eine hohe Trageakzeptanz.

Bei Augenschutz-PSA hat diese individuelle Anpassung zwei Aspekte. Zum einen unterscheiden sich die Formen von Köpfen und Gesichtern, z. B. der Augenabstand. Zum anderen unterscheiden sich die die individuellen Sehfähigkeiten und Fehlsichtigkeiten, die sich noch dazu im Lauf unseres Lebens verändern.

Korb- und Überbrillen sind keine dauerhafte Lösung

Naheliegend erscheint es, dass ein Brillenträger am Arbeitsplatz einfach eine Korb- oder Überbrille über seine private Korrektionsbrille stülpt. Doch bei genauerem Hinsehen ist dies keine optimale Lösung. Denn ein solches Provisorium kann beschlagen oder verrutschen, zudem können sehr leicht Spiegelungen oder Doppelbilder auftreten.

All dies geht zulasten der Trageakzeptanz und der Sicherheit, damit steigen die Verletzungsrisiken für das Auge. Laut der DGUV Regel 112-192 „Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz“ eignen sich solche Kombinationen von Brille und Überbrille allenfalls für „kurzfristige Arbeiten über wenige Minuten“. Sie sollten jedoch nicht zu einer Dauerlösung werden.

Auch fehlsichtige Mitarbeiter benötigen einen für sie geeigneten Augenschutz

Die DGUV Regel 112-192 empfiehlt statt dessen, Brillenträger mit Korrektionsschutzbrillen auszustatten. Diese sind definiert als Schutzbrillen, die mit Sicherheitssichtscheiben mit optisch korrigierender Wirkung ausgestattet sind. Eine solche Korrektions- oder Korrekturschutzbrille – meist sind dies Gestellbrillen mit Korrekturgläsern – muss somit zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen:

  1. das Korrigieren der individuellen Fehlsichtigkeit des Brillenträgers, ob Kurzsichtigkeit. Weitsichtigkeit oder Astigmatismus.
  2. den erforderlichen Schutz des Auges vor Stäuben, Metallsplittern, Flüssigkeitsspritzern, UV usw. gemäß der Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz

Dazu kommen selbstverständlich die weiteren Anforderungen für eine hochwertige Augenschutz-PSA wie Tragekomfort oder die optimale Passform für einen guten Sitz.


Einen Mitarbeiter aufzufordern, er solle seine private Brille aufsetzen, wenn Risiken für das Auge drohen, ist nicht zulässig. Hier äußert sich die DGUV eindeutig und konstatiert: „Handelsübliche Korrektionsbrillen haben keine Schutzwirkung“. Jeder Arbeitgeber steht daher in der Pflicht, auch einem fehlsichtigen Mitarbeiter geeignete Augenschutz-PSA zur Verfügung zu stellen.

Schutzbrillen mit den gewünschten Dipotrie-Werten

Technisch ist es kein Problem, die geforderten Sicherheitssichtscheiben mit der gewünschten optisch korrigierenden Wirkung herzustellen. Die Hersteller von Augenschutz-PSA arbeiten mit Optikern zusammen, um individuelle angepasste Korrektionsgläser zur Verfügung zu stellen, die auch den strengen Vorgaben der DIN EN 166 entsprechen. Viele Schutzbrillen-Modelle werden bereits als korrigierte Schutzbrille in verschiedenen Sehstärken angeboten.

Die Korrektionsgläser der Schutzbrille sollten sich in Art und Qualität möglichst an dem im Privatleben getragenen Gläsern orientieren. Wer z. B. in der Freizeit Gleitsichtgläser oder Bifokalgläser gewohnt ist, für den wäre es ungünstig, wenn er sich am Arbeitsplatz umstellen müsste. Achten Sie je nach Arbeitsplatz und Arbeitsbedingungen auch auf weitere Qualitätsmerkmale wie entspiegelte Gläser oder UV-Schutz.

Fazit: Wer privat eine Brille trägt und am Arbeitsplatz einen Augenschutz benötigt, für den ist in aller Regel eine Korrektionsschutzbrille unverzichtbar.

Weitere Informationen, insbesondere zu speziellen Sehhilfe für den Bildschirmarbeitsplatz, finden Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte, Augenärzte und Optiker in der DGUV Information 250-008 „Sehhilfen am Arbeitsplatz – Hilfen für die Verordnung von speziellen Sehhilfen“.

Autor: Friedhelm Kring

Bild: Produktabbildung mit freundlicher Genehmigung durch Unico Graber