Anfang August 2018 in Backnang. Aus einem Kühlkompressor einer Fabrik für Backwaren tritt ein gasförmiges Kältemittel aus. Die Brandmelder schlagen Alarm an und lösen einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften aus. Insgesamt 90 Einsatzkräfte sind mit 28 Fahrzeugen vor Ort. Die Stuttgarter Zeitung berichtete von diesem Einsatz, die in dieser oder ähnlicher Art trotz aller technischen Sicherheitsvorkehrungen immer wieder vorkommen.

Zunächst war unklar, welche Wirkung das Gas hat. Doch bei Gasalarm besteht stets die Gefahr, dass der Luftsauerstoff verdrängt wird, daher war höchste Vorsicht geboten. Die Einsatzkräfte mussten Ganzkörperschutz samt Atemschutz tragen, um die kontaminierten Räume zu betreten und zu lüften. Es stellte sich heraus, dass keine Personen verletzt worden waren und ein Techniker konnte den Schaden beheben. Die verwendete Schutzausrüstung wurde anschließend in einem Spezialzelt gereinigt.

Die bei solchen Spezialeinsätzen geforderte PSA der eingesetzten Notfallteams muss höchste Anforderungen erfüllen. Für gasdichte Chemikalienschutzanzüge gilt die Norm DIN EN 943-1. Die nach dieser Norm gefertigte PSA schützt gegen flüssige und gasförmige Chemikalien, Aerosole und Feststoffpartikel. Solche gasdichten Chemikalienschutzanzüge (CS-Anzüge) werden unterteilt in 3 Kategorien:

  • Typ 1a: „gasdichter“ Schutzanzug mit einer innerhalb des Schutzanzuges getragenen umgebungsluftunabhängigem Atemschutzversorgung, z. B. einem Pressluftatmer
  • Typ 1b: „gasdichter“ Schutzanzug mit einer außerhalb des Schutzanzugs getragenen Atemluftversorgung (z. B. Pressluftatmer)
  • Typ 1c: „gasdichter“ Schutzanzug mit einer Atemluftversorgung mit Überdruck, z. B. aus externen Leitungen

Unter Typ 2 fallen „nicht gasdichte“ CS-Anzüge mit einer Atemluftversorgung mit Überdruck. Weitere Typen von CS-Anzügen unterscheiden sich z. B. danach, ob die Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen der Kleidung flüssigkeitsdicht oder sprühdicht sind oder ob der Anzug Schutz gegen schwebende Teilchen fester Chemikalien bietet. Weitere Typen von CS-Anzügen unterscheiden sich z. B. nach: EN 943-2 Typ 1a-ET, gasdicht; EN 14605-Typ 3, flüssigkeitsdicht; EN 14605-Typ 4, spraydicht; EN 13982-1, partikeldicht; EN 13034, begrenzt spritzdicht

Beim Beschaffen sowie beim Verwenden von Chemikalienschutzanzügen ist daher stets auf das geeignete Modell zu achten.

Autor: Friedhelm Kring

FL500

Das Foto zeigt beispielhaft einen gasdichten und feuerfesten Vollschutzanzug, wie er für Einsätze mit Gas- und Feuergefahren infrage kommt (mit freundlicher Genehmigung der DS SafetyWear Arbeitsschutzprodukte GmbH). Detaillierte Produktinformationen zum abgebildeten Anzug finden Sie hier.