Die neue europäische PSA-Verordnung 2016/425 betrifft keineswegs nur Hersteller, Händler und Importeure. Konsequenzen ergeben sich auch für Betriebe und Unternehmen, welche PSA nutzen, und zwar hinsichtlich der verpflichtenden Unterweisung der Beschäftigten. Wer sich als Arbeitgeber oder betrieblicher Arbeitsschützer zu dieser erweiterten Unterweisungspflicht genauer informieren will, stellt jedoch verwundert fest, dass die Begriffe Unterweisung oder Unterweisung in der PSA-Verordnung gar nicht auftauchen.

Um den Zusammenhang von PSA-Verordnung und Sicherheitsunterweisungen nachzuvollziehen, hilft ein Blick in das berufsgenossenschaftliche Regelwerk. Die allgemeine Unterweisungspflicht, gegründet auf § 12 des ArbSchG, wird an vielen Stellen im Regelwerk wiederholt und konkretisiert, etwa in § 4 der DGUV Vorschrift 1. Zusätzlich findet sich weiter hinten in den „Grundsätzen der Prävention“, wie die DGUV Vorschrift 1 auch genannt wird, ein leicht übersehener § 31 mit dem Titel „Besondere Unterweisungen“ (s. Kasten).

„Für persönliche Schutzausrüstungen, die gegen tödliche Gefahren oder bleibende Gesundheitsschäden schützen sollen, hat der Unternehmer die (…) Benutzungsinformation den Versicherten im Rahmen von Unterweisungen mit Übungen zu vermitteln.“ (DGUV Vorschrift 1, § 31)

Die hier genannten Kriterien für diese „besonderen“ PSA-Unterweisungen entsprechen genau denen, welche die PSA-Verordnung für die Kategorie III vorsieht. Dies bedeutet: Für jede in seinem Betrieb verwendete PSA-Komponente der Kategorie III muss der Arbeitgeber „besondere“ Unterweisungen vorsehen.

„Besondere“ Unterweisungen erfordern praktische Übungen

Das Besondere dieser Unterweisungen ist, dass sie (s. Zitat im Kasten) explizit „mit Übungen“ stattfinden sollen. Ein Online-Tool oder eine Software genügen nicht, um seine Mitarbeiter mit PSA der Kategorie III vertraut zu machen. Das Benutzen von Schutzausrüstung muss eingeübt werden. Diese Pflicht ist nicht neu. Neu ist, dass durch die PSA-Verordnung nun weitere PSA-Komponenten von dieser erweiterten Unterweisungspflicht betroffen sind, da sie in die Kategorie III gerutscht sind.

arbeitschutz online news 2008 Dazu gehören PSA zum Schutz gegen Ertrinken, gegen Verletzungen durch Hochdruckstrahl, durch Kettensägen, Projektile und Messerstiche, aber auch der – auf den ersten Blick vermeintlich weniger gefährliche – Lärm. Ein Unterweisen zum Lärmschutz mit Übungen bedeutet, seine Mitarbeiter und Kollegen aktiv einzubeziehen. Jeder Gehörschutzträger soll vor Aufnahme einer lärmbelasteten Tätigkeit gelernt haben, wie er z. B. Gehörschutzstöpsel richtig einsetzt, wie er welchen Kapselgehörschutz auch bei Helmtragepflicht verwendet oder wie er den optimalen Sitz seiner Otoplastiken prüft.

Unterweisungspflicht als Chance für Hersteller

Diese neuen Unterweisungspflichten sind auch eine Chance für Hersteller und Händler. Unterstützen Sie Ihre Kunden dabei, den neuen Übungspflichten nachzukommen. Für hilfreiche Informationen zur Benutzung eines PSA-Produkts mit Anregungen oder Anleitungen für praktische Übungen usw. wird jeder dankbar sein, der in seinem Unternehmen für die Organisation von PSA, Beschaffung und Unterweisung zuständig ist.

Autor: Friedhelm Kring